Ist das noch jugendlicher Übermut oder schon beginnende Demenz? Auf jeden Fall: Rock.
Smart Homes für dumme Leute - auf den Nenner kann man den Titelsong des 15. Studioalbums der Manie Street Preachers runterbrechen. Es ist einer von drei Songs auf CRITICAL THINKING, die diesmal nicht James Dean Bradfield singt, sondern Bassist Nicky Wire. Wo ist euer kritisches Denken?, boomert der da sein Publikum an und verweist auf Selbstoptimierung, Wohlfühlindustrie und andere Widersprüche unserer kopfstehenden Gegenwart. Ein interessantes Thema, das Wire aber mit dem lahmen Schlachtruf „Fuck that!“ abschüttelt - kritisch gedacht nicht gerade der Weisheit letzter Schluss.
Den Manics kann man den müden Einstieg trotzdem kaum
übelnehmen. Ihr Karmakonto ist mit Liedgut und Hooklines für die Ewigkeit
schon lange gut gefüllt. Außerdem folgen dem hochtrabenden Titelstück elf
unverschämt gut gelaunte Songs. Sie strotzen vor Optimismus mit hellem Gitarrengeklingel
und Dur-Harmonien, die die Band uns mit unerklärlicher Euphorie und schamlos
altmodischen Rock-Arrangements um die Ohren dengelt. Mittfünfziger Bradfield
jubelt in den hohen Tönen wie ein Zwanzigjähriger, man wähnt sich bei einem
Pub-Gig der Brilliant Corners oder der Waterboys Ende der 80er- Jahre. Ist
dasjugendlicher Übermut oder beginnende Demenz? Hoffen wir auf Ersteres.
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